Warum gehört Altenburg nicht zu Sachsen?

Wer auf die Landkarte schaut, könnte sich durchaus fragen: Warum gehört Altenburg eigentlich zu Thüringen und nicht zu Sachsen? Die Stadt liegt ganz im Osten Thüringens, nur wenige Kilometer von der sächsischen Landesgrenze entfernt. Leipzig und Zwickau sind nicht weit entfernt – und dann gab es historisch auch noch ein Herzogtum Sachsen-Altenburg.
Die kurze Antwort lautet: Altenburg gehört zu Thüringen, weil der damalige Freistaat Sachsen-Altenburg 1920 gemeinsam mit mehreren anderen thüringischen Kleinstaaten im neu gegründeten Land Thüringen aufging.
Die ausführliche Geschichte ist allerdings deutlich spannender.
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Altenburg liegt unmittelbar an der Grenze zu Sachsen
Altenburg befindet sich im Osten Thüringens und ist heute die Kreisstadt des Landkreises Altenburger Land. Die Grenze zum Freistaat Sachsen verläuft nur wenige Kilometer östlich der Stadt.
Hier findest du Altenburg auf der Karte:
Auch kulturell und wirtschaftlich bestehen seit Jahrhunderten enge Beziehungen zum heutigen Sachsen. Besonders Leipzig ist von Altenburg aus schnell erreichbar. Deshalb wirkt die heutige Landesgrenze auf den ersten Blick durchaus überraschend.
Sie lässt sich nur verstehen, wenn man sich die komplizierte Geschichte der mitteldeutschen Kleinstaaten anschaut.
War Altenburg früher sächsisch?

Ja – allerdings bedeutet „sächsisch“ in diesem historischen Zusammenhang nicht automatisch, dass Altenburg zum heutigen Bundesland Sachsen gehörte.
Altenburg und das Altenburger Land standen über Jahrhunderte unter der Herrschaft verschiedener Linien der Wettiner. Dieses bedeutende deutsche Fürstengeschlecht herrschte über zahlreiche Gebiete in Sachsen und Thüringen.
Durch Erbteilungen entstanden immer wieder neue Herzogtümer. Zu ihnen gehörten unter anderem:
- Sachsen-Weimar
- Sachsen-Coburg
- Sachsen-Gotha
- Sachsen-Meiningen
- Sachsen-Hildburghausen
- Sachsen-Altenburg
Das erklärt auch, warum mehrere historische Staaten im heutigen Thüringen den Namen „Sachsen“ trugen.
Warum hieß das Herzogtum Sachsen-Altenburg?
Das Herzogtum Sachsen-Altenburg gehörte zu den sogenannten Ernestinischen Herzogtümern. Diese gingen aus der ernestinischen Linie des Hauses Wettin hervor.
Die Stadt Altenburg war zeitweise Residenzstadt eines eigenen Herzogtums. Das Herzogtum Sachsen-Altenburg bestand zunächst von 1603 bis 1672 und wurde 1826 nach einer Neuordnung der ernestinischen Herzogtümer erneut geschaffen.
Bis zum Ende der Monarchie 1918 war Altenburg die Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Altenburg.
Das erklärt einen scheinbaren Widerspruch:
Altenburg war tatsächlich Hauptstadt eines Staates mit „Sachsen“ im Namen – dieser Staat war aber nicht identisch mit dem heutigen Freistaat Sachsen.
Was geschah 1918 mit Sachsen-Altenburg?
Mit der Novemberrevolution von 1918 endete auch in Sachsen-Altenburg die Monarchie. Herzog Ernst II. dankte ab.
Aus dem Herzogtum entstand zunächst der Freistaat Sachsen-Altenburg.
Damit war Altenburg für kurze Zeit weiterhin Hauptstadt eines eigenständigen deutschen Landes. Doch diese Eigenständigkeit dauerte nicht lange.
Nach dem Ende der zahlreichen Monarchien stellte sich die Frage, wie es mit den kleinen Staaten in Mitteldeutschland weitergehen sollte.

Warum kam Altenburg 1920 zu Thüringen?
Der entscheidende Schritt erfolgte am 1. Mai 1920.
Mehrere thüringische Kleinstaaten schlossen sich zum neuen Land Thüringen zusammen. Dazu gehörten:
- Sachsen-Altenburg
- Sachsen-Weimar-Eisenach
- Sachsen-Meiningen
- Sachsen-Gotha
- Schwarzburg-Rudolstadt
- Schwarzburg-Sondershausen
- der Volksstaat Reuß
Damit verlor Sachsen-Altenburg seine staatliche Selbstständigkeit und wurde Teil Thüringens.
Seit 1920 gehört Altenburg deshalb politisch zu Thüringen.
Eine Besonderheit war damals übrigens, dass einige Gebiete mitten in Thüringen nicht zum neuen Land gehörten. Vor allem Teile des heutigen Thüringens um Erfurt waren zuvor preußisch und kamen erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu Thüringen.
Warum kam Altenburg nicht zum heutigen Sachsen?

Das heutige Sachsen entwickelte sich aus einer anderen staatlichen Tradition.
Nach dem Ende der Monarchie entstand 1918 aus dem Königreich Sachsen der Freistaat Sachsen. Sachsen-Altenburg war dagegen ein eigener Staat und gehörte nicht zum Königreich Sachsen.
Als sich die thüringischen Staaten 1920 zusammenschlossen, entschied sich auch Sachsen-Altenburg für den Beitritt zum neuen Land Thüringen.
Die heutige Grenze zwischen Thüringen und Sachsen ist deshalb das Ergebnis einer langen Entwicklung unterschiedlicher Fürstentümer und Staaten – und nicht einfach eine kulturelle Trennlinie.
Was verbindet Altenburg heute noch mit Sachsen?
Die Nähe zu Sachsen ist bis heute deutlich zu erkennen. Das Altenburger Land grenzt unmittelbar an den Freistaat Sachsen und liegt im Übergangsraum zwischen Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Besonders eng sind die Verbindungen zum Raum Leipzig.
Gleichzeitig besitzt Altenburg eine ausgeprägte eigene regionale Identität. Die Stadt war über Jahrhunderte Residenzstadt und politisches Zentrum eines eigenen Territoriums.
Davon zeugt bis heute vor allem das Residenzschloss Altenburg, das hoch über der historischen Altstadt liegt.

Altenburg ist außerdem als Skatstadt bekannt. Das Kartenspiel wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in Altenburg entwickelt. Heute erinnern unter anderem das Spielkartenmuseum und der Skatbrunnen an diese Tradition.
Altenburg: sächsischer Name, thüringische Stadt

Dass Altenburg heute zu Thüringen gehört, ist also kein historischer Zufall. Der vermeintliche Widerspruch entsteht vor allem durch den Namen Sachsen-Altenburg.
„Sachsen“ bezeichnete über Jahrhunderte nicht nur das Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen. Durch die zahlreichen Teilungen des wettinischen Herrschaftsgebietes entstanden mehrere kleine Herzogtümer mit Sachsen im Namen – viele davon lagen auf dem Gebiet des heutigen Thüringens.
Als sich diese Kleinstaaten 1920 zum Land Thüringen zusammenschlossen, wurde auch Altenburg thüringisch.
Wer heute von Sachsen nach Altenburg fährt, überquert deshalb zwar eine Landesgrenze – historisch betrachtet bewegt man sich aber in einer Region, deren Geschichte eng miteinander verflochten ist.
Fakten auf einen Blick
- Bundesland heute: Thüringen
- Landkreis: Altenburger Land
- Kfz-Kennzeichen: AGB
- Historischer Staat: Herzogtum Sachsen-Altenburg
- Residenzstadt: Altenburg
- Ende der Monarchie: 1918
- Nachfolgestaat: Freistaat Sachsen-Altenburg
- Beitritt zum Land Thüringen: 1. Mai 1920
- Historisches Herrscherhaus: Wettiner, ernestinische Linie
- Bekannt für: Residenzschloss Altenburg, Spielkarten und Skat
Häufige Fragen zu Altenburg und Sachsen
Gehört Altenburg zu Sachsen oder Thüringen?
Altenburg gehört heute zum Freistaat Thüringen. Die Stadt liegt im Landkreis Altenburger Land unmittelbar an der Grenze zum Freistaat Sachsen.
War Altenburg früher einmal sächsisch?
Altenburg gehörte über Jahrhunderte zu verschiedenen wettinischen Herrschaftsgebieten und war Residenz des Herzogtums Sachsen-Altenburg. Dieses darf jedoch nicht mit dem heutigen Bundesland Sachsen gleichgesetzt werden.
Warum heißt Sachsen-Altenburg Sachsen?
Sachsen-Altenburg wurde von einer ernestinischen Linie des Hauses Wettin regiert. Durch zahlreiche Erbteilungen entstanden mehrere sogenannte Ernestinische Herzogtümer, die „Sachsen“ in ihrem Namen führten.
Wann wurde Altenburg thüringisch?
Altenburg wurde 1920 Teil des neu gegründeten Landes Thüringen. Der Freistaat Sachsen-Altenburg ging am 1. Mai 1920 gemeinsam mit mehreren anderen thüringischen Staaten in Thüringen auf.
War Altenburg einmal eine Hauptstadt?
Ja. Altenburg war Residenz- und Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Altenburg und anschließend kurzzeitig Hauptstadt des Freistaates Sachsen-Altenburg.
Wie weit ist Altenburg von Sachsen entfernt?
Das Altenburger Land grenzt direkt an Sachsen. Von der Stadt Altenburg sind es nur wenige Kilometer bis zur heutigen Landesgrenze.



